... Das Binzer Kurhaus liegt an der Strandpromenade und am Kurplatz, unweit der Seebrücke und des feinsandigen Strandes des Ostseebades Binz


Kurhaus Binz im Jahr 1908 vom Kurplatz gesehen vorgelagerter Kurplatz der Kurplatz mit Blick zur Seebrücke Binzer Kurhaus nachts Blick aus der Granitz zum Kurhaus Luftaufnahme Kurhaus und Seebrücke das Kurhaus mit Ostseestrand Binz das Kurhaus in der Morgensonne

Was ist das Kurhaus Binz?

Das (ehemalige) Binzer Kurhaus ist eines der bekanntesten Gebäude Rügens und das über Rügen hinaus bekannte Wahrzeichen des Ostseebades Binz. Kurhäuser sind repräsentative Mehrzweckgebäude (Unterhaltung, Beherbergung, Gastronomie etc.) und markierten oft das gesellschaftliche Zentrum eines Kurortes. Beispielsweise war die markante Putbusser Schlosskirche früher das Kurhaus der ehemaligen Fürstenresidenz Putbus.

Das Kurhaus in Binz liegt direkt an der 3,2 Kilometer langen Strandpromenade gegenüber dem Kurplatz und ist ca. 80 Meter von der Seebrücke Binz entfernt. Der 1937 errichtete Kurplatz ist Mittelpunkt der Strandpromenade und Veranstaltungsort für Konzerte und Festivals. Der schöne Meerblick bildete sogar schon den Hintergrund für deutschlandweite TV-Talkshows mit mehr als tausend Zuschauern vor Ort Arabella Kiesbauer, 1997). Kurz: Das Binzer Kurhaus und der vorgelagerte Kurplatz sind in der Saison einen Besuch wert.

Welche Geschichte hat das Kurhaus Binz?

Seit 1890:

Mit der Entwicklung des Badetourismus um das Jahr 1875 avancierte Binz innerhalb von 10 Jahren zu einem Badeort. Interessant wurde der Ort damit auch für Berliner Bankiers, die im Jahr 1888 die Aktiengesellschaft Ostseebad Binz gründeten. Diese Aktiengesellschaft ging 1891 bereits wieder in Konkurs, eröffnete ein Jahr zuvor aber noch das Binzer Kurhaus (22. Juli 1890). Eine der ersten Gäste des Binzer Kurhauses war niemand Geringeres als die letzte deutsche Kaiserin Auguste Victoria.

Am 1. Mai 1906 brannte das Kurhaus Binz ab; der Neubau als feuerfesteres massives Gebäude nach den Plänen des Berliner Baumeisters Otto Spalding wurde schon ein Jahr später durch den Binzer Gemeinderat beschlossen. Auf den Beschluss erfolgte der Bau und schließlich die Neueröffnung des Kurhauses am 3. Juli 1908. Zu den wohlhabenden Gästen des Kurhauses zählten insbesondere Ärzte, Industrielle und Kaufleute.

Seit 1923:

Die Binzer Gemeinde verkaufte das Kurhaus und das benachbarte Hotel Kaiserhof im Jahr 1923 an eine Investorengruppe um den ungarischen Juden und Sozialdemokraten Adalbert Bela Kaba-Klein. Er beschäftigte im Kurhaus und im Kaiserhof etwa 150 Angestellte und verpflichtete viele Veranstalter für die Insel.

Unter der judenfeindlichen Regierung der Nationalsozialisten wurde das Kurhaus 1938 "arisiert"; der Besitzer geriet in Gewahrsam der Geheimen Staatspolizei (Gestapo) und später in Lagerhaft in Ungarn, aus der er aber fliehen konnte. Nach seiner erneuten Verhaftung gelang ihm wieder die Flucht bei der Deportation nach Auschwitz-Birkenau. In den Jahren vor 1938 erfuhr er bereits zahlreiche Drangsalierungen, stand aber noch unter ungarischem Schutz.

Russische Soldaten besetzten nach dem zweiten Weltkrieg kurzfristig das Kurhaus. Später wurden dort Bombenopfer und Flüchtlinge untergebracht. Im Mai 1947 kehrte Kaba-Klein nach Binz zurück und übernahm die Geschäftsführung des Kurhauses, bekam das Kurhaus im November 1950 vom AG Greifswald wieder zugesprochen.

Seit 1953:

Im Rahmen einer DDR-Aktion zur Enteignung der Hoteliers und Restaurantbesitzer (Aktion Rose bzw. eigentlich Ferienaktion) wurde Adalbert Bela Kaba-Klein 1953 erneut enteignet. Die DDR wollte Urlaub für alle statt als Privileg bürgerlich-reaktionärer Kreise und überführte zu diesem Zweck private Feriendomizile in die volkswirtschaftlichen Strukturen.

Ein Gericht der Deutschen Demokratischen Republik unterstellte Kaba-Klein mehrere schwere Wirtschaftsvergehen begangen zu haben und verurteilte ihn wegen Betruges zu einer Haftstrafe von 10 Jahren. Von diesen 10 Jahren saß Kaba-Klein 3 Jahre ab.

Nach seiner Entlassung ging er nach West-Berlin, wo er im Jahr 1962 starb. Heute erinnern im Boden verlegte Stolpersteine mit kleinen Gedenktafeln an die ehemaligen Besitzer des Kurhauses: Adalbert Bela Kaba-Klein, Abraham Lemo, Armin Reichard und Eugen Reichard.

1955 wurde das Kurhaus als Erholungsheim für Offiziere und länger dienende Soldaten der Nationalen Volksarmee genutzt. Ab 1961 übernahm das Deutsche Reisebüro der DDR das Binzer Kurhaus. Dabei verbrachten hauptsächlich privilegierte Gäste wie Schauspieler, Wissenschaftler und Wirtschaftsgrößen der DDR ihren Ostseeurlaub im Kurhaus.

Wie wird das Kurhaus heute genutzt?

Seit 2001 betreibt eine Hotelkette das Kurhaus Binz. Es stehen 137 Zimmer, 2 Restaurants und ein Café mit hauseigener Konditorei zur Verfügung. Außerdem erwarten eine Bar und ein großzügiger Wellness-Bereich die Gäste.

Wo auf Rügen befinden sich Binz und das Binzer Kurhaus?