Der Dampflok-betriebene „Rasender Roland“ fährt seit 1895 und ist Deutschlands älteste aktive Schmalspurbahn und eine beliebte Attraktion auf Rügen


Der Rasende Roland
Der Rasende Roland
Haltestelle der Kleinbahn in Seelvitz
Haltestelle der Kleinbahn in Seelvitz
Die Kleinbahn unter Dampf
Die Kleinbahn unter Dampf
1925 gebaute Lok 53Mh
1925 gebaute Lok 53Mh
Führerstand der 99 782
Führerstand der 99 782
Waggons der Schmalspurbahn in Putbus
Waggons der Schmalspurbahn in Putbus
Lokschuppen in Putbus
Lokschuppen in Putbus
Einfahrt in den Kleinbahnhof Putbus
Einfahrt in den Kleinbahnhof Putbus

Woher stammt der Name Rasender Roland?

Viele Ferien- und Erholungsheime des früheren Freien Deutschen Gewerkschaftsbunds auf der Insel Rügen waren hauptsächlich Arbeitern und Angestellten wichtiger Wirtschaftsbereiche der Deutschen Demokratischen Republik vorbehalten. Diese beliebten Plätze wurden staatlich vergeben, beispielsweise an die sächsischen und thüringischen Kumpel des Bergbauunternehmens SDAG Wismut, das Uran im Erzgebirge abbaute – einer der wenigen volkswirtschaftlich relevanten Rohstoffe auf eigenem Boden für den Export in die Sowjetunion. Schutzheiliger dieser Bergleute war der Roland.

Weil die Geschwindigkeit der Kleinbahn maximal 30 km/h betrug und der Bergmann seinen Schutzpatron immer bei sich hat, scherzte man irgendwann über die Kleinbahn als rasenden Roland.

Welche Strecke fährt die Rügensche Kleinbahn?

Haltestellen des Rasenden Rolands
Haltestellen der Kleinbahn Rasender Roland

Die Kleinbahn verbindet die Mole in Lauterbach mit der bekannten Fürstenstadt Putbus, den Orten Beuchow, Posewald, Seelvitz, Serams, Binz, Jagschloss Granitz, Garftitz, Sellin West, Sellin Ost, Baabe, Philippshagen und dem Ostseebad Göhren.

In welchem Rhythmus fährt der Rasende Roland?

Die Schmalspurbahn fährt zwischen 8 und 21 Uhr in einem 2-Stunden-Takt von Putbus nach Göhren und zurück. In den Sommermonaten wird dieser Takt zwischen dem Ostseebad Binz und Göhren auf das Doppelte erhöht. In Krisenzeiten kam es zu Fahrplanänderungen (Corona-Krise). Dann empfehlen wir vorher über die Hotline-Rufnummer nachzufragen: 038301–884012

Mit der Kleinbahn von Putbus bis zum Ostseebad Göhren
Mit der Kleinbahn von Putbus bis zum Ostseebad Göhren

Was kostet eine Fahrt mit der Rügischen Kleinbahn?

Die Fahrpreise lagen im Jahr 2020 für eine Einzelfahrt je nach Tarifstufe zwischen 2,20 und 11 Euro für Erwachsene. Kinder zahlen die Hälfte. Familienkarten gibt es tariflich gestuft für Preise zwischen 4,60 und 23 Euro. Detaillierte Preisinformationen finden Sie bei der Bäderbahn:

Wo und wann bekommt man die Fahrkarten für den Rasenden Roland?

Fahrkarten erhalten Sie an den Fahrkartenausgaben in Putbus, Binz, Sellin Ost, Baabe und Göhren. Bei Zustiegen an anderen Bahnhöfen oder außerhalb der Öffnungszeiten erhalten Sie die Tickets ohne Aufpreis im Zug.

Fahrkartenverkauf Uhrzeit
Putbus 09:30–12:15 Uhr und 12:45–18:15 Uhr
Binz 09:15–12:45 Uhr und 13:15–18:45 Uhr
Sellin Ost 09:30–13:15 Uhr und 13:45–18:15 Uhr [nur Mai bis Oktober]
Baabe 09.45–13.15 Uhr und 13.45–18.15 Uhr [nur Juli & August]
Göhren 09:15–12:50 Uhr und 13:20–18:00 Uhr

Hotline-Rufnummer: 038301–884012

Ist die Kleinbahn Rasender Roland barrierefrei?

Es können Rollstühle bis zu einer Breite von 70 Zentimeter in einem Wagen mit Traglastenabteil befördert werden. Im Normalfall befindet sich mindestens einer dieser Wagen an jedem Zug. Über mobile Rampen kann der Höhenunterschied zwischen Bahnsteig und Personenwagen überwunden werden. Die Personenwagen des Rasenden Rolands aber sind nicht barrierefrei, weil sie in den Jahren 1910 bis 1913 gebaut wurden.

Putbus-der Heimatbahnhof des Rasenden Rolands
Putbus-der Heimatbahnhof des Rasenden Rolands

Gibt es Führerstandsmitfahrten im Rasenden Roland?

Seitdem die Kleinbahngesellschaft privatisiert wurde, bietet sie Gästen auch Führerstandsmitfahrten an. Erwachsene und Kinder ab 14 Jahren können gegen Entgelt auf dem Führerstand mitfahren, Kinder im Alter von 6 bis 13 Jahren jedoch nur im Beisein eines Erwachsenen. Tragen Sie festes Schuhwerk und dunkle, lange Kleidung!

Kann man den Rasenden Roland für Sonderfahrten chartern?

Ja, tatsächlich können Sie den Rasenden Roland für Festlichkeiten und Privatfahrten ordern. Das kann sich auf den Traditions-, Salon- oder Speisewagen beschränken. Ein Tagesausflug im eigenen Sonderzug, um den Sie Ihr eigenes Programm gestalten – z.B. einen inszenierten Zugüberfall –, ist ein originelles und unvergessliches Erlebnis für Trauungen oder Geburtstage.

Darf man Hunde im Rasenden Roland mitnehmen?

Ja, der Hund darf Sie während einer Fahrt begleiten, sofern er nicht den betrieblichen Ablauf stört und keine Gefahr für Mitreisende und Mitarbeiter der RüBB sowie Sachen darstellt.

Welche Geschichte hat die Schmalspurbahn Rasender Roland?

1893–1917:

1893 begann der damals größte deutsche Privatbahnkonzern Lenz & Co. GmbH (Friedrich Lenz und Carl Fürstenberg) einen Bahnbau zwischen Putbus und Binz, um die Ostseebäder zu erschließen. Die Betriebsführung dieser Linie wurde von der 2 Jahre später gegründeten Rügensche Kleinbahnen-Aktiengesellschaft (Rü.K.B.) übernommen, die noch im selben Jahr die erste Lok vom Putbuser Bahnhof nach Binz fahren ließ (21.07.1895).

Bereits im Februar 1896 wurde diese Strecke bis nach Sellin erweitert und später nach Göhren ausgebaut. 1896 entstand auch der Streckenteil Putbus—Garz—Poseritz—Gustow—Altefähr.

1918–1936:

Ende des 1. Weltkriegs 1918 wurde die Marinefliegerstation auf dem Bug bei Dranske angebunden (wie zu Kriegszeiten geplant), 1926 aber wieder rückgebaut. Ebenfalls gab es eine Anbindung zur Verladestation von Wiek, wo Arbeiter Kreide, Rüben und Kohle von den und auf die Schiffe verluden.

Angedacht wurde noch eine Strecke zum ebenfalls geplanten Hafen im Bereich des Kap Arkonas, sie erfuhr nach der Kriegsniederlage aber keine Realisierung. 1918 erstreckte sich das Kleinbahnnetz auf Rügen dann also auf gute 100 Kilometer.

Mit der Eröffnung des Rügendamms am 5. Oktober 1936 und der Schaffung einer Normalspur-Strecke verbesserte sich die Erreichbarkeit Rügens erheblich. Die Trajekt-Schiffe zwischen Stralsund und Altefähr, die die Waggons der Kleinbahn und diverse Waren und Personen beförderten, wurden unnötig. Berliner Schnellzüge konnten die Insel Rügen nun über die Normalspurstrecke erreichen.

1955–1969:

Mitte der 50er Jahre setzte der Tourismus auf Rügen wieder ein. Gäste konnten das Ostseebad Binz mit der Großbahn erreichen, weil es neben einem Kleinbahnhof über einen Normalspurbahnhof verfügte (2 Kilometer von einander entfernt).

Anders verhielt es sich mit den Ostseebädern Sellin, Baabe und Göhren: Hierfür mussten die Schnellzüge vom Festland nach Putbus geleitet werden, damit die Fernreisenden in die Kleinbahn Rasender  umstiegen – täglich 1000 Fahrgäste zu Bestzeiten.

Am 3. Dezember 1967 wurde der Streckenabschnitt Putbus—Altefähr rückgebaut, er galt als unrentabel. Gleiches passierte 1968 und 1969 auch mit der Nordstrecke. Allein der Umstand, dass Urlauber die Ostseebäder Sellin, Baabe und Göhren sowie die Halbinsel Mönchgut nur über 1 Straße erreichten, verhinderte 1976 den geplannten Rückbau der Kleinbahnstrecke Putbus—Binz—Sellin—Göhren. Nur der mäßige Güterverkehr auf Südost-Rügen wurde auf die Straße verlagert.

Ferienwohnung oder Ferienhaus am Streckenverlauf des Rasenden Rolands