... Historische Infos und Fotos zur Stadt Putbus auf Rügen – der jüngsten Fürsten-Residenzstadt Deutschlands und erstem Kur- & Badeort der Insel


Obelisk auf dem Putbusser Circus Luisenplatz – der heutige Marktplatz Einweihung des Kriegerdenkmals 18.10.1884 Scheibenschießen auf dem Putbusser Tannenberg Historischer Eingang zum Putbusser Park Am ehm. Lauterbacher Hafen Badehaus Goor um 1820 Früheres Damenbad in Lauterbach Früherer Putbusser Pavillion Schlossbrand Putbus  23. Dezember 1865 Putbusser Schloss von innen Stadtplan von Putbus von 1834

Welche Geschichte hat Putbus auf der Insel Rügen?

  • 1200: erste Erwähnung einer Burganlage mit festen Gebäuden in schriftlichen Quellen, auch in Schriftstücken um 1300 wird von einer Burg gesprochen
  • 1253: Erwähnung einer slawischen Siedlung in schriftlichen Quellen; der Name Putbus wurde erstmals 1286 erwähnt
  • 1371: das Steinhaus mit dem dazugehörigen Hof als Sitz der Familie zu Putbus wird erwähnt, das Putbusser Schloss wird hieraus entstehen
  • . . .
  • 1600: Umbau in eine dreiflügelige Schlossanlage im Stil der Renaissance
  • 1725: Schaffung einer Parkanlage
  • 1730: Anlage einer Lindenallee entlang der Alleestraße
  • 1808: Bau einer Brauerei in der Alleestraße, heute das älteste Haus der Stadt (Früchtehof)
  • 1810: Gründung des Ortes als neuer Kur- und Badeort
  • 1816: Fürst Wilhelm Malte I. zu Putbus gründet in Lauterbach das erste Seebad der Insel Rügen
  • 1817: Grundsteinlegung des Badehauses in der Goor
  • 1818: Errichtung des Hotels Fürstenhof durch den seinerzeit größten privaten Grundbesitzer des alten Mecklenburgs Karl Friedrich Graf von Hahn (bzw. Hahn-Neuhaus), ein leidenschaftlicher Theaterdirektor und als Theater-Hahn bzw. Theatergraf bekannt. Der Fürstenhof nimmt v.a. Badegäste auf. Im Laufe der Jahre wird der Hof zum Amtshaus des Kreises Putbus, Wohnheim des Theaters und jetzt Mietshaus
  • 1823: Putbus erhält städtische Gerechtigkeit für Handel und Gewerbe, das volle Stadtrecht aber erst 137 Jahre später; seit 1819 durften Jahrmärkte, seit 1829 Wochenmärkte stattfinden
  • 1824: der Marktplatz wird geschaffen, Anlegung der Orangerie über dem vorhandenen Eiskeller, 1853 umgebaut und seither so geblieben
  • 1827: der Tannenberg (61,8 Meter) wird mit Spazierwegen und Aussichtspunkten parkähnlich gestaltet, das Putbusser Pädagogium wird gegründet
  • 1827–1832: der Berliner Architekt Steinmeyer ändert das Schloss wesentlich nach Entwürfen seines Schwagers Schinkel. Das gebrochene Dach wird gegen ein Flachdach ausgetauscht und der nordwestliche Flügel umgebaut; Abtragungen des Erdbodens heben die Frontmauern hervor
  • 1828: Anlage des Circus (ein runder Prachtplatz)
  • 1828 / 29: Errichtung des Gartenhauses (heute Rosencafé) in Putbus. Bis 1809 befand sich hier Der alte Krug – ein mäßig strohgedecktes Haus mit Dungstätte und elendem Hintergebäude. Das Gartenhaus beherbergt viele prominente Besucher wie Reichskanzler Fürst Otto von Bismark (1866) oder Alexander von Humboldt
  • 1833: Umgestaltung der Kuhkoppel hinter der Kirche zu einem Wildpark
  • 1840: Putbus wird selbständige Kirchengemeinde – ohne eigene Kirche
  • 1844: Bau eines Kursaales nach Plänen der Herren Stüler und Steinmeyer, ersetzt den baufälligen Pavillion von 1817
  • 1845: Errichtung des 73 Fuß hohen Obelisken auf dem Circus
  • 1853: Bau des Vogel- und Affenhauses im Park (heute Ruine bzw. Puppenmuseum)
  • 1865: Am 23. Dezember brennt das Schloss auf die Grundmauern nieder. Gerettet werden nur das Altarbild und die Altargeräte. Taufengel und die vorzügliche Orgel verbrennen
  • 1866: vor der Orangerie wird der Sterbende Gallier aufgestellt, eine Bronzekopie der gleichnamigen, frühchristl. Mamorstatue im heutigen Rom, selbst wohl Kopie einer Statue im Auftrag des König von Pergamon (230/220 v.Chr.). Auffällig: der detailierte Schnurrbart. 1967 Restaurierung
  • 1867–1872: Wiederaufbau des Schlosses Putbus
  • 1872: jeher gefährlichste Sturmflut am 12.–14. November, entwurzelt die Pappel-Bäume um den Circus (werden später durch Kugeleichen ersetzt)
  • 1884: Grundsteinlegung für das Kriegerdenkmal am 18. Oktober auf dem Markt; Einweihung 2 Jahre später
  • 1889: Bau eines hölzernen Kursaales auf der Höhe der Brauerei, 8 Jahre später durch Feuer zerstört; massiver Wiederaufbau des Saals um 1908
  • 1889: Putbus erhält am 15. August seinen Eisenbahn-Anschluss
  • 1891 / 92: der Putbusser Kursaal wird zur Putbusser Kirche umgestaltet – vom Tanz- zum Betsaal
  • 1960: Putbus erhält am 2. Juli volles Stadtrecht; Rügen hat bis heute nur 4 Städte (Bergen, Putbus, Sassnitz, Garz)
  • 1962: Sprengung des adligen Putbusser Schlosses aus sozialistisch-finanziellen Gründen, Beseitigung der Überreste dauerte 2 Jahre
  • 1997: Putbus ist offizieller staatlich anerkannter Kurort

Wann entstand das heutige Putbus?

Der Ort ist eng verbunden mit der Geschichte eines Adelsgeschlechts westslawischer Herkunft, einer Seitenlinie des rügischen Fürstenhauses, die mit ihrer (Lehen-)Gebietsherrschaft die von Putbus wurden. Schriftliche Quellen von 1371 bezeugen ein Steinhaus als Sitz der Familie zu Putbus. Aus dem Steinhaus entstand das erste Putbusser Schloss, das über die Jahrhunderte ausgebaut wurde und eine Stadt um sich entwickelte – allerdings nicht organisch.

Putbus ist die letzte planmäßig entstandene Residenzstadt in Europa. In Residenzstädten sitzen die Fürsten, die ihre Untertanen durch bloße Präsenz und durch eindrucksvoll-teure Prachtbauten an ihren Platz erinnern. Macht beruht wesentlich auf Anerkennung, zu viel Gewalt kann Macht untergraben.

Malte zu Putbus erblickte am 1. August 1783 das Licht der Welt und bewirkte als Fürst bis zu seinem Tod (mit 71) zahlreiche Veränderungen und Erweiterungen im Putbusser Hoheitsgebiet. Er hat das heutige Putbus als einen Kur- und Badeort im Jahr 1810 gegründet. Auf Reisen durch Italien ließ sich Malte I. zu Putbus vom italienischen Baustil inspirieren. Entsprechend finden sich die italienischen Bauweisen bei vielen Gebäuden, die Malte I. in Putbus nach klassizistischer Vorgabe errichtete.

Der Fürst legte Parks an und verlegte die schlossnahe, baufällige und lärmende Brauerei im Jahr 1808 an die Stralsunder Chaussee (heute Alleestraße). Infolge des Umzugs siedelten sich neben der neuen Brauerei viele Gewerbe an. Im Jahr 1833 zählte Putbus 601 Einwohner, 1834 waren es schon 710 und im Jahre 1835 hatte der Ort 816 Einwohner.

Was ist das Besondere am kreisrunden Platz im Zentrum von Putbus?

Circus mit Obelisk
Circus mit Obelisk

Besucher von Putbus stoßen wahrscheinlich auf einen großen, kreisförmigen Prachtplatz im Herzen der Stadt. Der Platz wurde im Jahr 1828 im Auftrag des Fürsten geschaffen und heißt seither Circus, lateinisch für Kreis bzw. kreisförmige Arena (wie im alten Rom). Der Putbusser Zirkus ist der letzte einheitlich ausgeführte Rondellplatz in Deutschland und bietet seit 1845 einen 73 Fuß hohen Obelisken im Mittelpunkt, umringt von weißen klassizistischen Gebäuden. Früher wurde der Zirkus mit sommergrünen Pappel-Bäumen bepflanzt, Pappeln erreichen Wuchshöhen von 30 bis 45 Metern. Durch die große Sturmflut im Jahr 1872 wurden die Pappeln um den Circus entwurzelt und später durch Anpflanzung von Kugel-Eichen ersetzt.

Was unterscheidet den Putbusser Luisenplatz vom Marktplatz?

Ehemaliger Luisenplatz und heutiger Markt
ehm. Luisenplatz und heutiger Markt
Einweihung des Kriegerdenkmals am 18. Oktober 1884
Einweihung des Kriegerdenkmals am 18. Oktober 1884
Scheibenschießen 1818 auf dem Putbusser Tannenberg
Scheibenschießen 1818 auf dem Putbusser Tannenberg

Der heutige Markt war anfangs eine natürliche Verlängerung eines Erlen-Waldstücks (Ellernbruch) und ähnelte damals schon einem Platz. Er sollte eigentlich zum Luisenplatz mit Rasen und italienischen Pappeln werden – benannt nach Fürstin Sophie Friederike Wilhelmine Luise zu Putbus (1784–1860), der Gattin von Wilhelm Malte I. Bevor die 22jährige Frankfurterin und frisch von Röttger von Veltheim Geschiedene den 23jährigen Malte I. heiratete, trug sie wieder den Namen von Lauterbach.

Seit 1819 fanden in Putbus Jahrmärkte, seit 1829 Wochenmärkte statt. Seit 1823 wurde Handel und Gewerbe erlaubt, entsprechend etablierten sich unter anderem Handwerkerhäuser und Kaufmannsgeschäfte um den Markt herum. Der ursprünglich gärtnerisch geplante Luisenplatz ist heute ein gewerblich genutzter Marktplatz. Beim Spaziergang über den Markt erinnern Sie sich vielleicht an den hier gezeigten Stich (Abb. ehm. Luisenplatz). Tatsächlich blieben alle auf dem Stich gezeigten Gebäude in ihrer Ursprünglichkeit erhalten.

Welcher Ort war das erste Seebad auf Rügen?

Lauterbach: Rügens erstes Seebad
Lauterbach: Rügens erstes Seebad
Badehaus Goor um 1820
Badehaus Goor um 1820
ehemaliges Damenbad in Lauterbach
ehemaliges Damenbad in Lauterbach

Fürst Wilhelm Malte I. zu Putbus gründete im Jahr 1816 das erste Seebad der Insel Rügen im Putbusser Ortsteil Lauterbach. Zwei Jahre später entstand schon das Badehaus Goor bei Lauterbach. Das Badehaus stellte für die damaligen Verhältnisse einen enormen Fortschritt da, weil es für seine Gäste unbekannten Komfort und Strandnähe bot. Lauterbach war 44 Jahre lang das meistbesuchte Bad der Insel Rügen. Dann übernahm Sassnitz diese Rolle, wurde aber nach kurzer Zeit von Binz aufgrund des besseren Strands abgelöst. Übrigens befand sich vor wenigen Jahren noch die fürstliche Badewanne aus Mamor in der Nähe des Badehauses Goor.

Welche Gebäude existieren nicht mehr in Putbus?

Der Putbusser Pavillion stand neben der heutigen Kirche
Der Putbusser Pavillion stand neben der heutigen Kirche
Der hölzerne Kursaal zu Putbus, am 21.Oktober 1907 durch einen Brand vollständig zerstört
Der hölzerne Kursaal wurde am 21. Oktober 1907 durch einen Brand zerstört
Das alte Putbusser Schloss 1750
Das alte Putbusser Schloss 1750
Stich vom Putbusser Schloss 1750
Stich vom Putbusser Schloss 1750
Schlossbrücke um 1750
Schlossbrücke um 1750
Schlossbrand 1865
Schlossbrand 1865
Eingerüsteter Giebel Schloss Putbus
Eingerüsteter Giebel Schloss Putbus
Fassadenarbeiten Giebel Schloss Putbus
Fassadenarbeiten Giebel Schloss Putbus
Malerfirma Wagner vor dem Schloss Putbus
Malerfirma Wagner vor dem Schloss Putbus

Der Putbusser Pavillion wurde ersetzt:

Der Putbusser Pavillion stand unweit der heutigen Kirche, beherbergte eine Konditorei und diverse Kaufläden. Mehrere Kleinsäle bildeten das Innere des Pavillions: Die Lauterbacher Badegesellschaft traf sich dort zum Klönen und für Volks- und Gesellschaftsspiele. Eine jährlich georderte, böhmische Badekapelle sorgte für die Musik. Stark baufällig geworden, trug man den Pavillion gegenüber dem Schloss ab und errichtete an nahezu selber Stelle einen pompösen Kursaal. Der Kursaal wurde wiederum in den Jahren 1891/92 zur Putbusser Schlosskirche umgebaut und dient noch heute als Kirche.

Der hölzerne Kursaal brannte, der massive Kursaal verkam:

Im Jahr 1889 begann der Bau eines hölzernen Kursaales auf Höhe der Putbusser Brauerei. Er wurde 1907 – nur 8 Jahre später – durch Feuer zerstört und 1908 als steinerner Massivbau wieder errichtet. Während der Deutschen Demokratischen Republik nutzte die landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaft (LPG) das Gebäude zur Essenspeisung. Nach der Wende versuchte man den Kursaal mit Tanzveranstaltungen am Leben zu erhalten. Ansprüche eines Erben der Familie zu Putbus verhinderten das Finden von Investoren, die den Kursaal wieder im alten Glanz erstrahlen lassen könnten. Mittlerweile (2021) ist der letzte Putbusser Kursaal zur Ruine verkommen.

Das Putbusser Schloss wurde gesprengt:

Über viele Generationen entstand aus einem Steinhaus des 14. Jahrhunderts ein großes und größeres Schloss, und ringsum der Kur- und Badeort und die spätere Stadt Putbus. Am 23. Dezember 1865 brennt das Putbusser Schloss auf die Grundmauern nieder, wird in den Jahren 1867–1872 wieder aufgebaut, um dann 1962 aus Kostengründen gesprengt zu werden.

Welche besonderen Gebäude existieren noch in Putbus?

Das alte Gartenhaus und heutige Rosencafé
Das alte Gartenhaus und heutige Rosencafé

Das fürstliche Gartenhaus wird zum Rosencafé:

Im Jahr 1828/29 wurde das Gartenhaus in Putbus errichtet und existiert heute als Rosencafé fort. Zuvor stand an der Stelle des Gartenhauses bis 1809 noch der alte Krug – ein Haus mit schlechtem Strohdach, Dungstätte und elendem Hintergebäude. Das Gartenhaus beherbergte viele prominente Besucher. Unter Ihnen waren 1866 der damalige Reichskanzler Fürst Otto von Bismark und Alexander von Humboldt.

Wo auf der Rügen-Landkarte liegt der Ort Putbus?