... Ein Haus für die Witwen verstorbener Pfarrer: Dieses Pfarrwitwenhaus in Groß Zicker ist eines der ältest erhaltenen Wohnhäuser Rügens (1719)


Pfarrwitwenhaus Groß Zicker Die Küche im Pfarrwitwenhaus Groß Zicker Grundriss Pfarrwitwenhaus

Was ist die Geschichte des Pfarrwitwenhaus?

Die Küche im Pfarrwitwenhaus Groß Zicker
Die Küche im Pfarrwitwenhaus Groß Zicker

Das Pfarrwitwenhaus wurde zwischen 1719–1720 aus Holz und Lehm erbaut und ist eines der ältesten erhaltenen Wohnhäuser der Insel Rügen. Als 1718 der Pfarrer Johannes Cadow verstarb und seine Frau mit den vier Kindern das Pfarrhaus verlassen musste, beauftragte die dänische Provinzial-Regierung mit Sitz in Stralsund den Landvogt John aus Bergen: Es solle ein Haus für die Witwen verstorbener Pfarrer – ein Pfarrwitwenhaus – in Groß Zicker errichten. 1720 konnte die Witwe schließlich das Haus mit ihren 4 Kindern beziehen.

Die letzte Pfarrwitwe war Sophia Vahl und lebte von 1782–1810 im Pfarrwitwenhaus. Von 1811–1830 diente das Haus als Schule und Wohnhaus des Lehrers; bis 1984 war es ein Wohnhaus. 1984 zog die letzte Bewohnerin des Hauses – Anna Glutsch – aus dem Pfarrwitwenhaus aus, nachdem ihre Familie über vier Generationen in diesem Haus gelebt hatte.

Wie ist das Pfarrwitwenhaus(-Museum) aufgebaut?

Grundriss Pfarrwitwenhaus
Grundriss Pfarrwitwenhaus
  • Eingang zur Wohndiele
  • Wohndiele: hier finden Besucher Bilder und Texte zum Haus
  • Hühnerstall: in diesem Teil des Hauses wurden Hühner gehalten
  • Kuhstall: dort hielt die Pfarrwitwe Kühe, die tagsüber auf der Weide von einem Familienmitglied gehütet wurden
  • Kammern Ostseite: diese Räume waren zeitweise Wohnräume, dienten aber auch als Lager- und Vorratsräume
  • Wirtschaftsdiele: der Raum war nach oben offen; hier wurde Korn gedroschen, aber auch zum Tanz aufgespielt
  • hintere Stube: dieser Raum gehörte zu den Wohnräumen und wurde von der Küche aus beheizt
  • Küche: hier wurde gekocht und von diesem Raum aus zwei weitere Räume beheizt
  • Gute Stube: der einzige Raum des Hauses mit Dielenfußboden, der von der Küche aus beheizt wurde; in den 50er Jahren wurde dieser Bereich an Urlaubsgäste vermietet

Auffällig ist das hohe, spitze Stroh- bzw. Schilfdach: der so genannte Zuckerhut. Beim Betrachten fällt Besuchern auf, dass dieses Haus keinen Schornstein besitzt. Es handelt sich um ein seltenes Rookhus – die plattdeutsche Bezeichnung für ein Rauchhaus: Der Rauch des Herdes zog damals durch das große Eingangstor und über das Eulenloch ab – eine kleine Öffnung am Dachfirst. Ein zweites Rookhus finden Sie im Ostseebad Göhren.

Wann ist das Pfarrwitwenhaus-Museum in Groß Zicker geöffnet?

Öffnungszeiten des Pfarrwitwenhauses in Groß Zicker:
Mo.–Fr.: 11.00–16.00 Uhr
Sa.–So.: 13.30–16.00 Uhr (einschließlich Feiertage)

Kontakt:

Pfarrwitwenhaus Groß Zicker
Boddenstraße 35
18586 Groß Zicker
Telefon: 038308–8248

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