Größter Kreideabbruch seit 15 Jahren an Rügens Steilküste

An der berühmten Kreideküste der Insel Rügen hat sich am Wochenende ein gewaltiger Küstenabbruch ereignet. Rund 9.000 Kubikmeter Kreide sind etwa einen Kilometer nördlich von Sassnitz abgestürzt – der größte Abbruch seit 15 Jahren. Die gewaltige Menge entspricht ungefähr der Ladung von 900 großen Kipplastern.

Betroffen ist das Kreidesteilufer im Nationalpark Jasmund, einem Gebiet, das für seine spektakulären weißen Kliffs bekannt ist. Laut dem Nationalpark-Leiter rutschte eine breite, nahezu senkrechte Scheibe des Steilufers ab. Das war zu erwarten.
Auch in der Nähe der bekannten Wissower Klinken gingen rund 2.000 Kubikmeter Kreide nieder und stürzten in die Tiefe.
Tauwetter als Auslöser – weitere Abbrüche wahrscheinlich
Als Hauptursache gilt das Tauwetter der vergangenen Woche. In Kombination mit den hohen Niederschlägen im Februar wurde der Boden stark durchfeuchtet und destabilisiert. Experten rechnen daher in den kommenden Tagen und Wochen mit weiteren Abbrüchen.
Ein vergleichbares Ereignis gab es zuletzt 2011, als rund 35.000 Kubikmeter Kreide abrutschten. Solche Prozesse sind vollkommen natürlich. Seit Jahrtausenden formen Wind, Wasser und Frost die markante Küstenlinie Rügens immer wieder neu.

Gefahrenbereich offenbar nicht großzügig abgesperrt
Was jedoch irritiert: Der Bereich rund um die aktuelle Abbruchstelle wirkt bislang offenbar nicht großzügig abgesperrt. Angesichts der massiven Erdbewegungen und der weiterhin bestehenden Gefahr weiterer Abbrüche stellt sich die Frage, ob die Sicherungsmaßnahmen ausreichend sind.
Gerade bei Tauwetter und durchnässtem Untergrund kann es jederzeit zu neuen Abrutschungen kommen – oft ohne Vorwarnung. Eine weiträumigere Absperrung könnte helfen, riskante Annäherungen an die Gefahrenzone zu verhindern und Besucher besser zu schützen.

Warnungen werden weiterhin ignoriert
Unabhängig davon werden bestehende Warnhinweise von manchen Besuchern weiterhin missachtet. Spaziergänger sollten keinesfalls unterhalb der Steilküste laufen und auf dem Hochufer unbedingt die ausgewiesenen Wege einhalten und zusätzlich etwas Abstand von der Hochuferkante halten.
Doch selbst jetzt – obwohl an einigen Stellen die Kreide sichtbar bröselt – sind immer noch Menschen direkt unterhalb der Abbruchstellen unterwegs. Meine Fotos zeigen deutlich, wie nah sich einige Personen an die Gefahrenbereiche wagen. Dieses Verhalten ist nicht nur leichtsinnig, sondern kann im Ernstfall lebensgefährlich sein.

Kamerateam des NDR vor Ort
Die Ereignisse haben auch mediales Interesse geweckt: Ein Kamerateam des Norddeutscher Rundfunk war heute vor Ort und filmte an der Abbruchstelle. Der Beitrag wird heute Abend um 19:30 Uhr im NDR Nordmagazin ausgestrahlt.

Naturgewalt mit Verantwortung
So beeindruckend die Naturgewalten an der Kreideküste auch sind – sie mahnen zur Vorsicht. Die weißen Kliffs sind ein einzigartiges Naturerbe, aber auch ein dynamisches System, das sich ständig verändert.
Wer die Schönheit der Küste erleben möchte, sollte dies mit Respekt vor der Natur und mit Blick auf die eigene Sicherheit tun.

Guter Beitrag. Zwar etwas ungünstig für die Leute, wenn sie unten herumlaufen, hilft aber die Größenverhältnisse auf deinen Fotos gut einzuschätzen.