Luftaufnahme Prora auf Rügen


Prora auf Rügen – der ursprünglich geplante Seebad-Gigant für 20.000 Menschen

Der kleine Ort Prora ist ein Ortsteil des Ostseebades Binz und liegt unmittelbar am Wasser. Ende der 30er Jahre erwarb die Gemeinschaft „Kraft durch Freude“ – die Organisation für nationalsozialistische Freizeitpolitik – ein ca. 5 Kilometer weites Areal an der Ostseeküste. Hier sollte ein 4,5 Kilometer langes Seebad entstehen, in dem 20.000 „Volksgenossen“ ihren Urlaub verbringen könnten. Dieser Prestige-Bau wurde zwar mit Beginn des zweiten Weltkrieges eingestellt: Dennoch enstanden bis dahin 8 aneinandergereihte, baugleiche Häuserblocks mit einer Gesamtlänge von immerhin 3,6 Kilometern.

Hitlers Architekt Clemens Klotz entwarf mit dem kilometerlangen KdF-Seebad Prora zugleich ein Symbol nationalsozialistischen Größenwahns – ein überdimensioniertes, monumentales Ungeheuer, getreu der Vorstellung, dass die größten Zeiten verschiedener Völker mit den größten Bauwerken einhergingen: „Wenn Völker große Zeiten innerlich erleben, so gestalten sie diese Zeiten auch äußerlich. Ihr Wort ist dann überzeugender als das gesprochene. Es ist das Wort aus Stein!“ (Adolf Hitler)

Unmittelbar nach dem Krieg wurde der Gebäudekomplex zur Internierung von Grundbesitzern und zur Unterbringung von Heimatvertriebenen aus den Ostgebieten genutzt. Russlands Rote Armee übernahm das Areal schließlich von 1948–1953, zusammen mit dem Gebäudekomplex, und stationierte dort ihre 13. Panzerjäger-Brigade. Gleichzeitig wurde 1949 eine Infanterieschule für ca. 1000 Soldaten in Prora gegründet. Aus ihr gründete sich die Polizeibereitschaft, die 1952 in die „Kasernierte Volkspolizei“ überging – dem Vorgänger der nationalen Volksarmee der DDR.

Neben militärischen Kampfverbänden, die 1961 beispielsweise den Berliner Mauerbau absicherten, wurde seit 1960 auch das Luftsturmregiment 40 „Willi Sänger“ – ein Eliteverband der NVA-Landstreitkräfte – in Prora untergebracht. Zeitgleich konnte man in Prora auch die Offiziershochschule „Otto Winzer“ zur Ausbildung ausländischer Militärkader finden. Deren Offiziersschüler – der jüngste war 15 Jahre alt – stammten aus Simbabwe, Sambia und der Volksrepublik Kongo, aus Nicaragua, Kuba und Tansania. Sie gehörten der palästinensischen Befreiungsorganisation PLO, der syrisch- und jemenitisch-arabischen Republik oder der volksdemokratischen Republik Jemen an. Selbst Afghanistan, Nordkorea, Laos, Vietnam und Kampuchea, sowie das sozialistische Äthiopien und Mocambique entsandten Schüler zur Insel Rügen.

In den Jahren nach 1982 beherbergte die militärische Einrichtung Prora die größte Ansammlung so genannter Bausoldaten. Fast 500 Waffenverweigerer und Regimegegner wurden hier stationiert. Als Baukraft konnten sie so zumindest dem Gefängnis entgehen. Immerhin drohte Totalverweigerern bis 1985 noch eine Gefängnisstrafe von 18 bis 22 Monaten und sie endete oftmals mit einer Ausweisung aus der DDR. Die „Proraer Bausoldaten“ wurden vor allem für den Aufbau des Mukraner Fährhafens eingesetzt.

Prora sollte noch bis 1993 militärisches Sperrgebiet bleiben – insgesamt 43 Jahre lang. Heute wird der ehemalige KdF-Gebäudekomplex umfangreich saniert. Neben einem Hotelbereich werden in Prora Ferienwohnungen und Eigentumswohnungen entstehen. Dabei lockt nicht nur der Meerblick: Sehenswert sind auch die geologisch einmaligen Feuersteinfelder zwischen Prora und Mukran und der feinsandige Ostseestrand, der von Mukran bis zum Ostseebad Binz reicht.


Karte Luftaufnahmen Rügen   |   Fotos Kdf-Bau Prora 2001   |   Ferienwohnungen Prora